Alzheimer
Eine andere Welt?

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Blaue und graue Tage
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Neue Ausstellung:
Was gut für mich ist



  Dr. Jan Wojnar

     Eine Demenzerkrankung zerstört nicht nur Nervenzellen und komplizierte Verbindungen im Gehirn der Betroffenen. Sie schleicht sich langsam in die dichten Geflechte zwischenmenschlicher Beziehungen ein, versperrt ausgetretene Wege, verändert alle Beteiligten und bedeckt ihre Zukunft mit einem dichten Schleier der Unsicherheit und Ungewissheit.

     Das jahrelang geträumte Bild von einem selbst gestalteten gemeinsamen Altern bekommt zunehmend Risse und droht gänzlich zu zerfallen. Die Jahrzehnte der Nähe und des Vertrauens werden oft innerhalb weniger Monate aus dem Gedächtnis der Kranken scheinbar ausradiert und durch realitätsfremde Phantasiebilder ersetzt, die unbegreifliches Verhalten provozieren.

     Die vertraute Sprache der Zweisamkeit verhallt im Unverständlichen, und das Schweigen bekommt einen frostigen Beiklang. Es kündigt nicht mehr Ruhe und Erholung an, sondern wird mit ängstlicher Erwartung unangenehmer Überraschungen erfüllt. Liebevolle Hilfe wird schroff abgelehnt und in der schweren Atmosphäre des unbegründeten Misstrauens verblasst jede Dankbarkeit. Die Beziehung wird langsam deformiert. Der Kranke erkennt nicht mehr die Gesichter, verwechselt die Personen, schwankt zwischen zärtlicher Zuwendung und gereizter Ablehnung und verwandelt sich in ein Wesen, das nur noch Wärme, Geborgenheit und Schutz vor der fremd gewordenen Welt sucht. Er benötigt unendlich viel, kann aber nur wenig zurückgeben ...

     Betreuung Demenzkranker „rund-um-die Uhr“ gehört wahrscheinlich zu denschwierigsten Aufgaben im Leben der betroffenen Angehörigen. Trotzdem wird sie wie selbstverständlich, ohne Zögern übernommen und bis an die Grenzen der eigenen psychischen undphysischen Belastbarkeit fortgesetzt, häufig um den Preis sozialer Isolierung und gesundheitlicher Schäden.